Einsatz Hafnia Seaways

Am frühen Abend des 19. Oktober 2011 brach in der Sauna der „Hafnia Seaways“, die sich nördlich von Spiekeroog auf dem Weg von Immingham nach Cuxhaven befand, ein Feuer aus, das mit Bordmitteln nicht gelöscht werden konnte.  Dem Schiff kamen der Seenotkreuzer Hermann Marwede, der Notschlepper Nordic und das Fischereischutzboot Seefalke zu Hilfe. Das Havariekommando, das den Hilfseinsatz koordinierte, schickte ferner mit einem Seaking-Hubschrauber der Deutschen Marine Feuerwehrleute der Freiwilligen Feuerwehr Brunsbüttel an Bord.  Nachdem das Feuer gelöscht werden konnte, setzte das Schiff seine Fahrt nach Cuxhaven fort, bei der es zur Sicherheit vom Seenotkreuzer Hermann Marwede begleitet wurde. An Bord des Schiffes befanden sich 27 Personen, 20 Besatzungsmitglieder und sieben Passagiere. Vier Passagiere und zwei Besatzungsmitglieder wurden in Cuxhaven im Krankenhaus untersucht, weil sie Rauchgas eingeatmet hatten.

Brunsbütteler Zeitung – 20.10.2011

Brennende Fähre vor Helgoland

Brunsbütteler Spezial-Einheit eilt am Abend zu Hilfe

BZ - 20.10.2011

Brunsbüttel – Auf Schiffsbrandbekämpfung spezialisierte Kräfte der Feuerwehr Brunsbüttel haben sich am Abend auf den Weg Richtung Helgoland gemacht, wo an Bord der englischen Nordsee-Fähre „Hafnia Seaways“ etwa nördlich von Spiekeroog ein Feuer ausgebrochen war, das die 20-köpfige Crew nicht mehr selbst unter Kontrolle bekam. An Bord waren sieben Passagiere, wie das Havariekommando in Cuxhaven mitteilte. Das 187 Meter lange Schiff, das für Frachttransporte eingesetzt wird, war auf dem Weg vom englischen Immingham nach Cuxhaven. Neben dem Marine-Hubschrauber „Seaking“, der auf dem Hof der Brunsbütteler Feuerwache einen Teil der Schiffsbrand-Spezialisten aufnahm (Foto), machten sich mehrere Schiffe auf den Weg zum Havaristen.

Brunsbütteler Zeitung – 21.10.2011

Saunaofen löst Brand aus: Großeinsatz auf der Nordsee

Brunsbütteler Schiffsbrandbekämpfer löschen Feuer auf der „Hafnia Seaways“

BZ - 21.10.2011

Brunsbüttel – Als Stephan Zollmer und seine Männer Donnerstagfrüh kurz nach 3 Uhr von Bord des Feuerlösch-Schleppers „Parat“ gehen, der im Alten Vorhafen festgemacht hat, ist ihnen die Erschöpfung, aber auch Erleichterung ins Gesicht geschrieben. Sie wissen: Dieser Einsatz hätte auch anders ausgehen können.

Noch zu gut sind die Bilder der Fähre „Lisco Gloria“ in Erinnerung, die fast auf den Tag genau vor einem Jahr vor Fehmarn in Flammen aufging und komplett ausbrannte. Damals war es nicht gelungen, das Feuer, das von einem Lastwagen ausgegangen war, zu löschen. Ein Inferno auf der Ostsee.

Es ist 18.45 Uhr, als der Hilferuf der „Hafnia Seaways“ über den Äther geht. Feuer ist in der Sauna ausgebrochen und die Besatzung bekommt es nicht unter Kontrolle, meldet der Kapitän. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich die unter britischer Flagge fahrende, 187 Meter lange RoRo-Fähre rund zwölf Seemeilen nördlich von Spiekeroog, Kurs Cuxhaven. An Bord: 27 Mann, darunter sieben Lastwagenfahrer aus Polen und Großbritannien. 

Bereits zehn Minuten später sind die auf Schiffsbrandbekämpfung spezialisierten Kräfte der Brunsbütteler Feuerwehr auf dem Weg zum Gerätehaus. „Feuer auf einem Schiff – Helgoland“ lautet die knappe Meldung. Schnell hat Zollmer seine Leute eingeteilt: Ein Teil von ihnen soll mit dem Feuerlösch-Schlepper „Parat“ zum Havaristen übersetzen, sechs Mann dürfen sich derweil auf den Transport mit dem Marine-Hubschrauber „Seaking“ vorbereiten, der von der Ostküste Kurs Brunsbüttel nimmt. Zwar dauert es bis 20.34 Uhr, bis die „Seaking“ Brunsbüttel erreicht, dennoch wissen die sechs Mann: Sie werden die ersten Einsatzkräfte sein, die an Bord der „Hafnia Seaways“ gehen werden. Die per Schiff herbei eilenden Einheiten – auch aus Wilhelmshaven sind Schiffsbrandbekämpfer in Marsch gesetzt – werden allesamt länger brauchen, bis sie den Havaristen erreichen.

Schnell werden die beiden in der Zwischenzeit gepackten Netze mit dem nötigsten Equipment in der „Seaking“ verstaut, um 20.40 Uhr hebt der gewaltige Marine-Hubschrauber schließlich mit lauten Getöse vom Hof der Feuerwache in der Kopernikusstraße ab. 25 Minuten später schwebt die „Seaking“ über dem Unglücksschiff, das sich inzwischen Cuxhaven weiter genähert hat. Jetzt beginnt der vorerst heikelste Akt: das Abwinschen der Einsatzkräfte. Als Erster hängt Zollmer, der an Bord die Einsatzleitung übernehmen wird, am Haken. Kein Vergnügen bei Windstärke 7 und Wellengang von bis zu zwei Metern. Weil die „Hafnia Seaways“ just in diesem Moment leicht den Kurs verändert, baumelt der 49-Jährige kurz neben dem Schiff, muss noch einmal hochzogen werden. Im zweiten Anlauf gelingt dann das Abseilen vom Hubschrauber aufs Schiff – wie zigmal geübt. Alle drei Jahre müssen die Schiffsbrandbekämpfer bei Lehrgängen solche Situationen üben und ihre Einsatztauglichkeit auf See unter Beweis stellen. Einsatzübungen selbst findet etwa zwei- bis dreimal im Jahr statt. Erst in der vergangenen Woche hatten die Brunsbütteler Schiffsbrandbekämpfer mit Einheiten aus Hamburg, Cuxhaven und Wilhelmshaven den Ernstfall auf See geübt.

Wie ernst es jetzt ist, sieht Zollmer, als er vom Kapitän in Empfang genommen wird. Die Brücke ist vollkommen verraucht – unglücklicherweise befindet sich die brennende Sauna genau zwei Stockwerke darunter, weshalb der Brandrauch den Steuerstand komplett verqualmt hat. Das erklärt auch, warum das Schiff kurzzeitig den Kurs geändert hatte – mit einer Atemschutzmaske über dem Gesicht versucht der Steuermann das weiterhin manövrierfähige Schiff auf Kurs Cuxhaven zu halten. Dabei konnte man auf der Brücke kaum einen halben Meter weit blicken.

Zollmer ist froh, einen Kapitän vor sich zu haben, der, genau wie seine Mannschaft, trotz des Feuers die Nerven behält. Die Verständigung mit dem Schweden klappt gut, und während sich der Einsatzleiter noch die wichtigstens Infos zu dem Schiff holt, haben sich bereits vier seiner Leute mit schwerem Atemschutz ausgerüstet. Zusammen mit dem Bordpersonal machen sie sich auf den Weg in den Bauch des Schiffs zu der brennenden Sauna. Um 22.25 Uhr meldet Zollmer an das Havariekommando „Feuer aus“. Mit Wärmebildkameras werden jetzt umliegende Räume, Lüftungsschächte und Zwischendecken abkontrolliert.

„Die Besatzung hat um ihr Schiff gekämpft“, gibt Zollmer später zu Protokoll. Wie er an Bord erfuhr, hatten die Seeleute erst kurz zuvor ein Brandszenario geübt – und jetzt, im Realfall, vollen Einsatz gezeigt. Auch die moderne Ausstattung des erst 2008 gebauten Schiffs habe dazu beigetragen, dass es nicht wie bei der „Lisco Gloria“ zu einem Inferno kam, das Feuer nicht auf weitere Bereiche übergegriffen war.

Stattdessen erreicht die „Hafnia Seaways“ gegen Mitternacht aus eigener Kraft Cuxhaven. Dort haben gestern die Ermittler ihre Arbeit aufgenommen. Es sei noch nicht klar, ob ein technischer Defekt am Saunaofen das Feuer ausgelöst hat oder fahrlässige Brandstiftung dahintersteckt. Möglich wäre, dass ein Gegenstand auf dem Saunaofen abgelegt und vergessen wurde.

Norddeutsche Rundschau – 21.10.2011

Brunsbütteler löschen Nordseefähre

Von einem Hubschrauber seilten sich die Experten für Schiffsbrandbekämpfung auf die „Hafnia Seaways“ ab / Ursache des Feuers noch unklar

NR - 21.10.2011

Brunsbüttel – Mit einem spektakulären Einsatz haben Feuerwehrleute aus Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen) den Brand auf der britischen Nordseefähre „Hafnia Seaways“ gelöscht. Sechs Männer seilten sich von einem Marinehubschrauber auf das 187 Meter lange Schiff ab. Brandamtsrat Stephan Zollmer (49): „Wir hatten um 18.55 Uhr die Meldung bekommen, dass nördlich von Spiekeroog ein Schiff brennt, haben sofort unser Team zusammengestellt.“ In Brunsbüttel und zehn weiteren Orten in Schleswig-Holstein gibt es Feuerwehrleute, die speziell für die Brandbekämpfung auf Schiffen ausgebildet sind.

Das Problem: Es stand kein Hubschrauber bereit, um sie zum Havaristen zu fliegen. Zollmer: „Der SAR-Seaking der Marine war in Rostock im Einsatz.“ Zehn Feuerwehrmänner machten sich deshalb mit dem Feuerlöschschiff „Parat“ auf den Weg – dann fand das Marinefliegergeschwader 5 in Kiel Holtenau eine Lösung. „Es wurde ein Reservehubschrauber fit gemacht, eine Crew von Zuhause geholt“, so Zollmer. „Der Seaking landete um 20.25 Uhr vor der Feuerwache Brunsbüttel.“

Um 20.35 Uhr waren die Feuerwehrmänner mit 250 Kilogramm Ausrüstung auf dem Weg zur „Hafnia Seaways“, die zwischen dem englischen Immingham und Cuxhaven pendelt. Nur 25 Minuten später kreiste der Hubschrauber über der Fähre. „Bei Windstärke sieben winschten wir ab, der schwedische Kapitän wies uns in die Lage ein“, berichtet Zollmer. Das Feuer war in der Sauna des Wellness-Bereichs ausgebrochen, nur zwei Decks unter der Brücke. „Die Brücke war so stark verraucht, dass sich Instrumente kaum noch ablesen ließen.“ Die gute Nachricht: Der 20-köpfigen Besatzung war es bereits gelungen, die Flammen unter Kontrolle zu bringen, die sieben Passagiere waren Achtern im Maschinenkontrollraum in Sicherheit gebracht worden. Die Brunsbütteler suchten mit einer Wärmebildkamera nach Brandnestern. „Davon gab es jede Menge“, sagt Zollmer. Das erst 2008 gebaute Schiff hat zwar gute feuerhemmende Verkleidungen, doch die Flammen fraßen sich durch die Kabelschächte.“ Im Wellness-Bereich war alles zusammengeschmolzen. „Dort müssen mindestens achthundert Grad geherrscht haben“, meint Zollmer und lobt die Crew der „Hafnia Seaways“: „Wäre sie nicht so gut trainiert gewesen, dann hätten wir schnell eine zweite ,Lisco Gloria‘ gehabt.“

Die „Lisco Gloria“ war im Oktober 2010 auf der Ostsee vor Fehmarn von einem Lastwagen in Brand gesetzt worden, 236 Menschen mussten gerettet werden. Auch die „Hafnia Seaways“, die für den Seetransport von Autos, Lastwagen und Eisenbahnzügen konstruiert ist, war voll mit Fahrzeugen beladen.

Um 22.25 Uhr war das Feuer aus. Das Havariekommando in Cuxhaven, das den Einsatz koordinierte, hatte den Marinehubschrauber zwischenzeitlich nach Kiel beordert, dort stiegen Notärzte ein. Vier Passagiere und zwei Besatzungsmitglieder hatten Rauchvergiftungen erlitten. Die Brunsbütteler gingen um 0.15 Uhr von Bord – nach dem Anlegen in Cuxhaven. Ermittler sollen nun die Brandursache klären. Die dänische Reederei DFDS, Betreiber der Fähre, hofft, dass sich der Schaden in zwei Wochen beheben lässt.

Auswertung überregionaler Medien zum Einsatz auf der „Hafnia Seaways“:


http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,792856,00.html

http://www.welt.de/print/die_welt/hamburg/article13672679/Faehre-entkommt-knapp-einer-Katastrophe.html

http://www.abendblatt.de/region/article2065798/Spektakulaerer-Loescheinsatz-bei-Brand-auf-Hafnia-Seaways.html

http://www.stern.de/panorama/brand-auf-offener-see-nordseefaehre-rettet-sich-nach-cuxhaven-1740794.html

http://www.focus.de/panorama/welt/vor-nordseeinsel-spiekeroog-feuer-auf-nordsee-faehre-geloescht_aid_676331.html

http://www.sueddeutsche.de/panorama/noerdlich-von-spiekeroog-brennender-frachter-auf-der-nordsee-1.1168957

http://www.morgenpost.de/vermischtes/article1799816/Nordseefaehre-faengt-bei-Spiekeroog-Feuer.html

http://www.berliner-kurier.de/panorama/schiff-lag-bei-spiekeroog-sauna-brannte–feuer-auf-nordsee-faehre,7169224,11034852.html

http://www.bz-berlin.de/aktuell/deutschland/feuer-in-sauna-auf-nordsee-faehre-article1298890.html

http://www.fr-online.de/panorama/nordsee-brennende-faehre-,1472782,11034098.html

http://www.weser-kurier.de/Artikel/Region/Landkreis-Cuxhaven/467398/Helfer-seilen-sich-von-Hubschrauber-ab.html

http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2716100/Brand-auf-Schiff-in-der-Nordsee.html